Niedrige Zinsen werden einfach geduldet

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich schon seit Langem zu einer Vertrauenskrise entwickelt. Banken vergeben Kredite nur äußerst restriktiv und Anleger suchen vor allem nach sicheren Anlagen; die Frage nach der Rendite ist da allenfalls zweitrangig.

Das hat zur Folge, dass viele Sparer auch Bargeld zu Hause halten und das Geld höchstens auf einem Tagesgeld-Konto anlegen. Die Zinsen, die mit dieser Form der Geldanlage erzielt werden können, liegen in jedem Fall unterhalb der Inflationsrate. Und das heißt nichts anderes, als dass das Geld real an Wert verliert. Wer sein Geld für fünf Jahre auf einem Tagesgeldkonto parkt, wird davon in fünf Jahren weniger kaufen könnte, als man es heute könnte. Man spricht in diesem Zusammenhang auch davon, dass sich viele Sparer in Deutschland kalt enteignen lassen.

Vor rund 15 Jahren lag der Anteil an Aktien und festverzinslichen Wertpapieren in den Anlage-Portfolios der Deutschen noch bei 35 Prozent. Im Laufe des vergangenen Jahres betrug dieser Anteil nur noch gut 22 Prozent, ohne dass eine Trendwende in Sicht wäre. Vielmehr sei nach Angaben der Deutschen Bundesbank während der Finanz- und Wirtschaftskrise erkennbar gewesen, dass das Geld aus langfristigen Anlageformen zu kurzfristigen Geldanlagen in den Portfolios umgeschichtet wurde. Diese Umschichtung wird als ein deutliches Indiz für eine Vertrauenskrise in langfristige Geldanlagen und in die Finanzbranche generell gewertet. Das dürfte auch damit zusammen hängen, dass viele Probleme, die das Misstrauen ausgelöst haben, heute zwar bekannt seien aber noch immer nicht das Gefühl vorherrscht, dass sie tatsächlich gelöst sind.